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Interview mit Uwe Hinz, Thingstätte Bergen auf Rügen

Interview mit Heimatforscher Uwe Hinz, 2014, Bergen auf Rügen

Das Video ist Teil des „Thingstätten-Projekts“, das sich mit den Mitteln von Kunst und Wissenschaft, Text, Bild und Video den heutigen architektonischen Spuren der wenig erforschten nationalsozialistischen „Thingbewegung“ nähert. Es geht um die Bedeutung der problematischen Vergangenheit für die Gegenwart, und um die Stärkung demokratischer Initiativen. Das Projekt soll durch Information zur Entmystifizierung der nationalsozialistischen Propaganda der „Thingstättenbeitragen.

Transkript Video Interview Thingstätte

Bergen auf Rügen

Herzlich Willkommen in unserer Stadt Bergen auf Rügen, hier auf dem Rugard, der an dieser Stelle etwa 93 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Mein Name ist Uwe Hinz. Ich selbst habe mich über Jahre beschäftigt mit der Historie nicht nur von Bergen, sondern auch mit der europäischen Geschichte und bringe den Menschen diese Heimat gerne näher. Ich möchte Sie jetzt gerne mitnehmen, auf einen Weg, der sicherlich nicht sehr einfach ist.

Wie sitzen hier an dem Ort, das ein Denkmal ist. Früher nannte man es ein Heldendenkmal und heute Unverbesserliche nennen es ein Kriegerdenkmal. Dieses Denkmal ist in Form einer Thingstätte errichtet. Nun werden viele fragen „was ist eine Thingstätte?“. Eine Thingstätte ist im alt germanischen Sinne eine Versammlungsstätte, an dem Recht gesprochen wurde.

Hier haben wir die Anlage der Thingstätte: Eine Bergener Firma hat hier Erdreich anfahren müssen, um die Terrassen, sie sehen hier die Plätze, zu schaffen und hier ist das Rondell. Dahinter befand sich dann später das Mallon-Denkmal. Sie sehen hier die weiten, zerklüftenden Einschnitte des Rügener Landes mit den „Botten“ Landschaften und der offenen See. Hier sind die Aufmärsche, zum Beispiel von dem ersten Mai 1933, zu sehen. Der Zug führte über die Straße hin zur Thingstätte, als Versammlungsort und Feierort der Nationalsozialisten, aufgenommen am 1. Mai 1933.

Im Jahre 1918, nach Ende des ersten Weltkrieges, wollte man die Menschen, die gefallen sind, die Bergener Bürger, nicht so einfach im Stich lassen. 206 Bergener sind hier in Europa für eine unselige Idee gefallen und irgendwo sind ihre Gräber verstreut, wo sie nicht mehr zu finden sind. Man wollte hier einen Hain schaffen, um diesen Menscheneine eine Stätte zu geben, an der ihrer gedacht wird.

 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht, und die absolute Herrschaft. Die Nationalsozialisten hatten ein starkes Bedürfnis, den germanischen Kult zu fördern. Wir haben hier den alten, historischen Burgwall. Im Sinne des Nationalsozialismus hat der Volkskundler Alfred Haas in einer Abhandlung die Thingstätte als eine germanische Stätte geschildert.  Das war natürlich etwas sehr Positives für die Nationalsozialisten und so verlängerten sie die Achse von dem in ihrer Deutung germanischen Burgwall, über dieses Denkmal, bis zu der Thingstätte.

Sie wurde am 25. Mai 1935 eingeweiht und sie sollte mit einem Schauspiel „zum heiligen Vaterland“ stattfinden. Aber so richtig hat wohl diese Thingstätte nie Anklang gefunden, denn bereits im Jahre 1936 beschwerte sich die Stadt, dass diese Stätte verunkrautet sei.

Interessant ist auch, dass hier im Jahre 1938 ein Hitlermarsch, von diesem Mallon-Denkmal in Bergen nach Nürnberg zum Parteitag Adolf Hitlers stattfand. 43 Fahnen, die in diesem Denkmal geweiht wurden, wurden getragen. 900 Kilometer,  in 43 Tagen, nach Nürnberg. Als dann die Ära der Nationalsozialisten mit dem Ende des zweiten Weltkrieges ihr Ende fand, wurde dieses Denkmal zerstört, durch die Nationalsozialisten selbst. Es gibt da widersprüchliche Meinungen. Die einen sagen, dieses Denkmal ist gesprengt worden, andere sagen, es ist nur angezündet worden. Eines ist wohl sicher, man hat dort noch nachträglich verkohlte Fahnenreste, Ehrendolche etc. gefunden und man soll wohl auch die Gebeine, des bis dahin als Mythos hochgehaltenen Hans Mallon gefunden haben.